Die einseitige Kulturförderung

Eigentlich gibt es ja in der Schweiz Kulturförderungsbeiträge. Dafür zuständig ist das Bundesamt für Kultur (BAK). Erstaunlicherweise liest man aber diesbezüglich vor allem von den Bereichen Kunst, Theater, Tanz, Buch, Film, Museen, Sport, Handwerkskunst, nationale Grossanlässe etc. Im Bereich Musik allenfalls höchstens noch von

Beiträgen an Festivals, oder wenn es sich um einen ultraspeziellen Freejazzer handelt, dessen Sound so schräg ist, dass man ihn nur in Museen vor einer Videoinstallation performen kann.

Hat jemand schon mal gehört, dass eine normale Rockband Geld erhalten hat von der öffentlichen Hand, um beispielsweise ihre CD zu produzieren und zu promoten? Oder ist einfach niemand auf die Idee gekommen, um Geld anzufragen? Und wer entscheidet aufgrund welcher Kriterien über die Vergabe? Fragen ohne Antworten. Nun, tatsächlich wird das sehr wohl gemacht. Aber eben im Vergleich zu anderen Kunstsparten eben nicht an die grosse Glocke gehängt; warum auch immer. Vielleicht ist es einfach zu peinlich.

Dazu ein Beispiel: Sophie Hunger reitet ja jetzt als Schweizer Exportschlager auf der Erfolgswelle, und sie scheint durchaus eine talentierte Sängerin zu sein. Talent allein reicht aber nicht. Hunger und ihr Label haben von 2007 bis 2010 Direktzahlungen von Fr. 330’000.- erhalten, von diversen öffentlichen und privaten Institutionen. Um sich voll auf die Musik konzentrieren, Kontakte zu knüpfen und ihren Erfolg aufbauen zu können. Das ist eine Menge Geld! Aber ohne diese Investitionen würde sie jetzt kein Schwein kennen. Das Ganze ist natürlich wieder einmal mehr eingepackt in eine emotional bewegende Geschichte wie der vom eigenbrötlerischen und vielleicht sogar vom Leben gezeichneten Künstler, der nur durch sein Talent und seinen eisernen Willen zum Erfolg gekommen ist.